Hier ist alles "Swiss made": Die Schreinerei Blattmann und Odermatt wird der dritten Generation übergeben.

 

Seit Anfang Jahr ist Sven Baumann neu Inhaber des Oberägerer Traditionsbetriebs. Der 37-Jährige löst Edgar Odermatt ab, dessen Vater 1961 Mitbegründer der Schreinerei war.

Zuger Zeitung, 9.3.2023, Nora Baumgartner

Sven Baumann (links) und Edgar Odermatt sind seit mehr als zehn Jahren in der Oberägerer Schreinerei tätig.

Bild: Matthias Jurt (Morgarten, 2. 3. 2023)

Ein graues, prägnantes und modernes Gebäude am Ende des Ägerisees in Morgarten: Hier ist die Produktion der Schreinerei Blattmann und Odermatt – kurz B und O – zu Hause. Seit dem 1. Januar heisst der Inhaber Sven Baumann, der Edgar Odermatt ablöst. Beide sind gelernte Schreinermeister. Letzterer hat den Betrieb 26 Jahre in zweiter Generation geführt. Sein Vater Albert Odermatt hat zusammen mit Hans Blattmann 1961 die Schreinerei gegründet.

«Mein Vater arbeitete als Bootsbauer, als er Hans Blattmann aus Oberägeri kennen gelernt hat. Beide wollten sich beruflich selbstständig machen», erzählt der 56-jährige Odermatt. Die alte Schmitte an der Silbergasse in Oberägeri wird zur Schreinerwerkstatt umfunktioniert. Ausgeliefert haben die beiden die ersten Jahre mit einem Leiterwagen.

«Nach zwei bis drei Jahren haben sie die ersten Mitarbeitenden eingestellt und sind kontinuierlich gewachsen. Mein Vater hat auf gute Infrastruktur gesetzt», erzählt Odermatt weiter. Fünf Jahre nach der Gründung sind sie 1966 in den Neubau gezogen, wo heute der Ausstellungsraum in Oberägeri ist.

Die beiden Gründer Hans Blattmann (links) und Albert Odermatt.

So sah die Werkstatt in ihrer Anfangszeit in den 1960er-Jahren aus.

Bild: PD

Seit der Gründung gab es zwei Generationenwechsel

30 Jahre später gibt es den ersten Generationenwechsel: Die beiden Söhne Hansruedi Blattmann und Edgar Odermatt übernehmen das Ruder, ehe 2005 Odermatt das Zepter alleine in die Hand nimmt. «Wir hatten beide andere Vorstellungen», so Odermatt, der seit 1986 in der Schreinerei arbeitet. Wechsel Nummer drei folgt im Januar 2023 von Edgar Odermatt zu Sven Baumann. Während den letzten sechs Jahren haben die beiden mit dem Team die Übergabe genaustens geplant.

«Mich erfüllt das mit Freude und Stolz», sagt Baumann. Der 37-Jährige arbeitet seit zehn Jahren bei B und O, davon sieben als Geschäftsführer. Odermatt erzählt: «Er kam auf mich zu und erzählte mir, dass er den Betrieb gerne übernehmen wolle. Für mich war das die ideale Lösung, da er die Mitarbeitenden, die Kundschaft und unsere Philosophie kennt.» Es sei nicht selbstverständlich, eine Nachfolge zu finden, so der 56-Jährige. Mit der Philosophie, meint Odermatt, dass jedes einzelne Produkt ein Unikat ist und alle Produkte selber gemacht sind.

«Ich bin vor zehn Jahren als Produktionsleiter eingestiegen», sagt Baumann, der demnächst an den Ägerisee zieht. Neben seinem Job bei B und O ist er im Vorstand des Zuger Schreinermeister-Verbands sowie als Experte für Lehrabschlussprüfungen tätig.

«Die Latte ist hochgesteckt. Ich möchte die Handwerkskunst auf hohem Niveau weiterführen, junge Berufsleute für unsere Arbeiten begeistern und die Erwartungen unserer Kunden übertreffen», erzählt Baumann auf die Frage, was seine Ziele sind. Die Kommunikation untereinander solle stets auf Augenhöhe sein. «Wir haben interne Arbeitsgruppen gebildet, um Prozesse und Abläufe zu hinterfragen.»

Sven Baumann (links) und Edgar Odermatt sind leidenschaftliche Schreiner.

Bild: Matthias Jurt (Morgarten, 2. 3. 2023)

Kleine Sachen, grosse Freuden

Zurücklehnen kann sich hingegen Edgar Odermatt. «Für mich war die Übergabe kein schwieriger Schritt. Ich war noch nie so viel Skifahren, wie diese Saison», sagt der 56-Jährige schmunzelnd, der ebenfalls aus der Geschäftsleitung ausgetreten ist. «Ich will nicht reinreden, denn ich habe vollstes Vertrauen in die Leitung. Bei Fragen bin ich selbstverständlich zur Stelle.» Er werde dem Betrieb weiterhin als Freelancer zur Verfügung stehen.

Die 26 Jahre seien für ihn wie im Fluge vergangen. «Ein Auf und Ab mit vielen schönen Projekten», sagt der Zuger zurückblickend. «Mir war es stets wichtig, dass ich mich selber nicht zu wichtig nehme.» Für ihn waren es kleine Sachen, die ihm grosse Freude bei der Schreinerarbeit bereiteten: Altes zwar erhalten, aber auch Neues hinzufügen.

«Wir haben auch viele aussergewöhnliche Sachen gemacht, für die man viel Ehrgeiz und Leidenschaft braucht», erzählt Odermatt. Speziell sei für ihn, wenn er an einem Ort vorbeiläuft und ein Projekt sieht, das er gemacht habe. «Deswegen mag ich den Job so. Man sieht am Ende des Tages, was man geleistet hat.» Als Highlight bezeichnet Odermatt den Bezug des heutigen Standorts 2015 in Morgarten.

Die B-und-O-Produktionsstätte in Morgarten.

Bild: PD

Eine gute Altersdurchmischung

Die Schreinerei hat 35 Mitarbeitende sowie sieben Lernende. Einige von ihnen sind schon etwas länger dabei. «Ein Mitarbeiter war über 50 Jahre lang dabei, und auch sonst gibt es einige, mit denen ich in der Firma quasi aufgewachsen bin», so Odermatt. Beide betonen den wertschätzenden Umgang im Team. Die Mischung von erfahrenen Fachleuten sowie «Jungspunden», die mit der modernen Technik aufgewachsen sind und damit neues technisches Know-how in das Unternehmen bringen, bezeichnet Baumann als Glücksfall.

Als nächsten Schritt möchte Sven Baumann den Digitalisierungsprozess vorantreiben. Konkret sollen Produktionssysteme angepasst werden, um eine Datendurchgängigkeit zu erreichen. «Ich wünsche mir, dass wir weiterhin motivierte Fachkräfte ausbilden und weiterbeschäftigen sowie den hohen Qualitätstandart beibehalten können.» Odermatt stimmt zu und ergänzt: «Und eine hohe Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Dass sie am Ende des Tages sagen können: ‹Hey, es war ein Supertag.›»

Weitere Infos zur Schreinerei B und O finden Sie unter www.zugerschreiner.ch